Read-In und Tentakelmonster die zweite

Roerich-Tibet-1933

Geheimnisvolle Ruinen mitten in einem gigantischen Gebirgsmassiv in der Antarktis, eine handvoll Forscher, eine handvoll tote Exemplare einer extrem hoch entwickelten jahrmilliarden Jahre ausgestorben Spezies und ein wundervoll atmosphärischer Schreibstil sind die Hauptzutaten von H.P. Lovecrafts „At the Mountains of Madness“.
Die Zutaten für ein Read-In  lesen sich nicht komplett unähnlich: (geheimnisvolle) Welten, die zwischen Buchdeckeln liegen und damit für manche Leute genauso gut in der Antarktis liegen könnten, eine handvoll Freunde, tote kleingemahlene und zusammengepresster Exemplare weniger hoch entwickelter Spezies, die allerdings noch nicht ausgestorben sind (Papier in Form von Büchern) und im Idealfall auch wundervolle Schreibstile.

Glücklicherweise hören die Parallelen zwischen Lovecrafts Geschichten und der Realität bei einer ähnlich klingenden Beschreibung auf und man muss nicht um sein Leben fürchten wenn man sich zu gemeinsamem lesen trifft. Zumindest gehe ich jetzt einfach davon aus, dass diejenigen mit denen ich mich so treffe nicht in Wahrheit lecter’sche Tendenzen haben und heimlich Psychopathen sind.

Das Read-In hat dem letzten erwartungsgemäß durchaus geähnelt, da gibt es also nicht so besonders viel zu berichten. Die Verpflegung bestand dieses Mal daraus, dass jeder etwas anderes mitgebracht hat, wobei es bei unserem kollektiven organisations*talent* und kaum bis gar nicht vorhandener Absprache relativ erstaunlich ist, dass trotzdem für alles in ausreichender Menge gesorgt war.

Im Anschluss ans Essen haben wir kurz Dobble gespielt was zwar ganz nett ist, mir aber ob der Tatsache, dass es ein Reaktionsspiel ist nicht besonders zusagt.

Nachdem dann also auch der Part überstanden war ging es tatsächlich ans lesen, wobei ich bei Garou, der Fortsetzung zu Glennkill, in den eineinhalb Stunden 120 Seiten geschafft habe. Über Garou werde ich allerdings erst im nächsten Beitrag schreiben.

Um nun den Bogen zurück zum Anfang des Beitrags und nicht bloß bis „At the Mountains of Madness“ sondern bis zum Bild ganz oben zu schlagen kommt hier die Erklärung warum dort ein Stück tibetanischen Himalayas und nicht etwa ein Buchcover oder antarktische Landschaften zu sehen sind. Es handelt sich um ein Gemälde von Nicholas Roerich, dessen Werke von Lovecraft oftmals zur Beschreibung der Ewigkeiten lang verborgen Landschaften und Ruinen, um deren Geheimnisse es sich im Buch dreht, referenziert. Diese Landschaftsbeschreibungen sind dabei allerdings bisweilen inhaltlich beinahe etwas repetitiv was allerdings durch die abwechslungsreiche Wortwahl für mich nicht weiter störend war.

Besagte Wortwahl hat mir in diesem Buch besonders zugesagt und ich werde jetzt ganz dreist ein gutes wenn auch nicht direkt auf die Landschaft bezogenes Beispiel aus einer Rezension auf Goodreads klauen: statt wie andere Autoren etwa „Finally, we arrived at the South Pole“ zu schreiben ist die äquivalente Formulierung von Lovecraft folgende: „At last we were truly entering the white, aeon-dead world of the ultimate south“ und ist damit um ein vielfaches passender für das Setting und den Inhalt der Publikation.

Die Geschichte an sich ist wieder durch einen Ich-Erzähler, der von seinen Erlebnissen von einer zuerst sehr vielversprechenden Expedition in die südlichen Polregionen, die jedoch nach einiger Zeit eine zugegebenermaßen recht vorausberechenbare, grausige Wendung nimmt erzählt und wird vermutlich niemanden noch wirklich hinterm Ofen hervor locken. Das muss sie aber auch gar nicht, da es, wie für Lovecraft typisch mehr um die Präsentation des ganzen als um die eigentliche Handlung geht, sodass es sich für mich um eine klare Empfehlung für diejenigen, die sich auch von komplexen Englisch nicht abschrecken lassen, handelt.

 

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